SZ 04.05.2026
15:17 Uhr

(+) Glosse: Das Streiflicht: Timmy ist abgetaucht – was wir nun suchen


Mit dem Wal ist das inoffizielle Wappentier der traurigen Deutschen verschwunden. Ein neues muss her, und es könnte sein, dass wir schnell fündig werden.

(+) Glosse: Das Streiflicht: Timmy ist abgetaucht – was wir nun suchen
Wal-Darstellung beim Fußball-Bundesliga-Spiel Eintracht Frankfurt – Hamburger SV: Mit dem Bundesadler konnten die Deutschen noch nie besonders viel anfangen. Florian Wiegand/Florian Wiegand/dpa

(SZ) Nun, da Timmy die Deutschen und ihr ramponiertes Gemüt verlassen hat, steht das Land wieder ohne Wappentier da. Mit seinem von Theodor Heuss verfügten Adler konnte es noch nie besonders viel anfangen, es gibt in Deutschland ja auch nicht so furchtbar viele von diesen schönen großen Raubvögeln. Wenn in diesem Land heute überhaupt noch etwas die Flügel weit aufspannt, dann ist es der olle Eichendorff-Vers in der Todesanzeige. Am liebsten würden wir alle in die Nordsee springen und dem Buckelwal bis in den Atlantik hinterherschwimmen, um ihn mit jenen dunklen Tut- und Huplauten, die wir in den vergangenen Wochen von ihm gelernt haben, zurückzurufen. Der Wal hat in Deutschland etwas hinterlassen, das wir Journalisten gelegentlich mit dem Goethe’schen Stoßseufzer „Diese Lücke, ach, diese entsetzliche Lücke“ begleiten. Wie werden wir diese entsetzliche Lücke nur stopfen? Entweder brauchen wir für unsere Verluste neue Schlagzeilen, oder wir werden so hoffnungsfroh konsekutiv wie Spiegel online allezeit mit seinen „Und dann“-Überschriften: „Und dann war der Wal plötzlich weg und alle fragen sich: …“

Die Axt im Haus erspart nicht nur den Zimmermann, sondern ist auch allgemein eine gute Begleiterin durchs Unterholz des Alltags.

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